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Schweizerdeutsch: Sprechen wir alle die gleiche Sprache?

Schweizerdeutsch: Sprechen wir alle die gleiche Sprache?

Der Unterschied zwischen Dialekt und Sprache liegt zum grossen Teil in der gegenseitigen Verständlichkeit. Wenn man aber davon ausgeht, dann würde es bedeuten, dass Schweizerdeutsch eine eigene Sprache sei. Es muss also noch etwas mehr dahinterstecken. Das Mehr ist vor allem politischer Natur: Für eine eigenständige Sprache muss diese normiert sein, d.h. es muss eine einheitliche Rechtschreibung, Grammatik und Aussprache geben. Dafür müssen wir leider auf das Hochdeutsche zurückgreifen.

In Luxemburg gibt es zum Beispiel Tendenzen, das Lëtzebuergesche zur eigenständigen Sprache zu machen und nicht mehr als Dialekt des Deutschen anzusehen. Dahinter stecken vor allem politische Entscheidungen und der gemeinsame Wille aller Sprecher zur Vereinheitlichung. In einer kleinen Region wie dem deutschsprachigen Luxemburg ist dies nicht schwer, doch die Schweiz ist räumlich größer und so auch die sprachliche Vielfalt. Es besteht kein Wunsch, die verschiedenen Varietäten des Deutschen in der Schweiz zu einem Schweizerdeutsch zu vereinheitlichen und eine gemeinsame Schreib- und Sprechweise durchzusetzen. Teilweise gibt es nicht einmal innerhalb eines Dialektes in der Schweiz eine einheitliche Schreibweise. Immerhin definieren wir uns über unseren jeweiligen Dialekt und sind stolz darauf.  Dialekte sind immer auch ein Zeichen von Zugehörigkeit zu einer Gruppe und Abgrenzung zu anderen. Der Berner ist demnach stolz auf sein Berndeutsch, der Zürcher auf seinen Züridütsch. Der Hauptunterschied der Dialekte liegt dabei in der Aussprache, wobei teilweise auch unterschiedliche Wörter zur Anwendung kommen.

Ich verstehe nicht, was du meinst

Die gegenseitige Verständlichkeit kann auch zwischen Dialekten teilweise schwierig werden. Das geht schon mit der Begrüssung los: In Zürich, dem Thurgau und St. Gallen bekommt man ein Grüezi zu hören wohingegen der Berner Grüessech sagt und der Walliser schlicht Grüezini. Beim Essen wird es erst interessant: für die Brotrinde findet man Begriffe wie Rinde[i], Gruschte[ii], Rauft[iii] oder Schwaarte[iv], die Überreste des Apfels nennt man Bütschgi[v], Bitzgi[vi], Gütschi[vii], Gigetschi[viii], Üürbsi[ix] und noch vieles mehr. Die Butter wird auch als Anke[x], Schmaalz[xi] oder Aihu[xii] bezeichnet und wenn die Suppe ungesalzen ist, dann ist sie blööd[xiii], liis[xiv], mätt[xv], faad[xvi] oder leis[xvii] – je nachdem wo in der Schweiz man sich gerade aufhält. Da könnte es mit dem Essen gehen doch schon etwas schwierig werden. Für die wohlverdiente Ruhe nach dem Schlemmen, kommt ein Sofa ganz gelegen, doch du musst schon wissen, wo man von Soffaa[xviii], Kanepee[xix] oder auch Ruebett[xx] spricht. Zum Glück variiert beim Bett nur die Aussprache. So auch beim Trinken, wo man regionale Unterschiede findet zwischen tringge[xxi], trinkche[xxii], treiche[xxiii] und triiche[xxiv].

Wenn wir in die Natur schauen, dann wird der Schmetterling plötzlich zum Summervogel[xxv], Zwifalter[xxvi], Pfipfolter[xxvii], Müllervogel[xxviii] oder Toggeli[xxix]. Die Biene ist plötzlich eine Immi[xxx], Imbi[xxxi], Biili[xxxii] oder Beiji[xxxiii].

Dein Frühstück holst du dir nach dem Debakel mit der Suppe lieber beim Bäcker, oder beim Beck[xxxiv], beim Pfischter[xxxv], Brootmacher[xxxvi] oder Bacher[xxxvii].

Auf jeden Fall verstehen wir jetzt, warum Schweizerdeutsch nicht als einheitliche Sprache zu sehen ist, vor allem wenn wir unsere eigenen Landsleute bei so vielen Dialekten nicht mehr verstehen.

Welche Worte sind typisch für deinen Kanton? Lass uns einen Kommentar auf Facebook da!

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[i] Zürich, St. Gallen bis Uri

[ii] Teile von Graubünden und Wallis

[iii] Bern, Freiburg, Waadt

[iv] Teile von Wallis und Waadt

[v] Zürich

[vi] Thurgau, St. Gallen

[vii] Glarus

[viii] Solothurn

[ix] Basel

[x] Große Teile der Schweiz von Zürich bis Waadt

[xi] Thurgau, St.Gallen, Appenzell

[xii] Wallis

[xiii] Zürich

[xiv] Thurgau

[xv] Uri

[xvi] Süden Luzerns

[xvii] Norden Luzerns

[xviii] Süden St. Gallen

[xix] Thurgau, Glarus, Uri, Basel

[xx] Bern

[xxi] Glarus, St. Gallen, Basel

[xxii] Zürich, Appenzell, Luzern, Uri, Solothurn, Teile Berns

[xxiii] Teile Berns

[xxiv] Wallis

[xxv] Thurgau bis Luzern

[xxvi] Schwyz

[xxvii] Wallis und Bern

[xxviii] Freiburg

[xxix] Teile Berns und Uris

[xxx] Teile Graubündens

[xxxi] Aargau

[xxxii] Zürich, Schwyz, Glarus

[xxxiii] Bern, Luzern

[xxxiv] Von St. Gallen bis Bern mit Ausnahme von Teilen Luzerns

[xxxv] Teile von Wallis und Luzern

[xxxvi] Süden von Wallis

[xxxvii] Teile von Wallis und Tessin

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