Naher Osten

Durchschnitt EF EPI: 441 Bevölkerung: 411'788'402 BNE pro Kopf: $23,167.99

Bereit für Veränderungen

Die Kulturen des Nahen Ostens waren einst bei Wissenschaft, Literatur und Handel führend, spielen heute in der Spitzenforschung und Wirtschaftsleistung jedoch eher eine Nebenrolle. Doch der Region könnten Veränderungen bevorstehen.

Die Hälfte der Bevölkerung im Nahen Osten ist jünger als 30, und es ist deutlich geworden, dass der öffentliche Sektor sie nicht alle beschäftigen kann. Außerdem nehmen die öl- und gasreichen Länder zur Kenntnis, dass die kohlenstoffbasierte Wirtschaft bald der Vergangenheit angehören wird. In den letzten beiden Jahrzehnten haben diese Länder stärker in Bildung investiert – angesichts der jungen Bevölkerung eine kluge Entscheidung.

Chancen für die Jugend

Die Golfstaaten haben in den letzten beiden Jahrzehnten ihre weiterführenden Bildungssysteme umgebaut. Neben anderen Reformen hat die Politik das Monopol öffentlicher Universitäten gelockert und private Institutionen unterstützt, die westlich ausgebildete Akademiker ins Land holen und Kurse in englischer Sprache anbieten. Westliche Elite-Universitäten wurden außerdem offiziell von den Vereinigten Arabischen Emiraten und Qatar eingeladen, in diesen Ländern Niederlassungen zu gründen. Dieser Wettbewerb hat öffentliche Universitäten zu Reformen veranlasst, sie verwestlichen ihre Lehrpläne und wechseln bei einigen Studiengängen zu Englisch.

#66 von 100 Ländern/Regionen V.A.E.

Englischkenntnisse: Gering
EF EPI-Punktzahl: 472.00

#72 von 100 Ländern/Regionen Jordanien

Englischkenntnisse: Gering
EF EPI-Punktzahl: 456.00

#71 von 100 Ländern/Regionen Katar

Englischkenntnisse: Gering
EF EPI-Punktzahl: 459.00

Enttäuschende Resultate

Leider hat der Unterricht in Basisfächern für Schulkinder weniger Fortschritte gemacht und in vielen Ländern musste man gezwungenermaßen Programme einführen, um die Schüler weiterführender Schulen auf die Universität vorzubereiten. Die Alphabetisierungsrate ist in der ganzen Region schnell gestiegen, aber im letzten PISA-Test haben die 15-Jährigen aus den teilnehmenden nahöstlichen Ländern – Jordanien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate – beim Lesen, Mathematik und Wissenschaft die niedrigsten Punktzahlen erzielt. Acht der elf Länder, die bei den letzten TIMSS-Tests für Viertklässler in Mathematik und Wissenschaft die wenigsten Punkte erzielt haben, waren Länder des Nahen Ostens. Unsere Daten bestätigen dies: Das Englisch-Sprachniveau in der Region ist mit Abstand das niedrigste der Welt.

In gewisser Weise ist es überraschend, dass die Englischkenntnisse nicht besser sind. Der Nahe Osten ist vielfältig, in den meisten Ländern der Region sind über 30% der Bevölkerung in einem anderen Land geboren. Ein Teil dieser Einwanderer spricht bei der Ankunft zwar Arabisch, viele aber nicht. Außerdem sind fast eine Million Schüler in privaten, englischsprachigen K-12-Schulen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien eingeschrieben. Das entspricht 20% der gesamten Schülerzahl internationaler Schulen weltweit. In vielen höheren Bildungseinrichtungen in den Golfstaaten werden einige oder alle Kurse in englischer Sprache unterrichtet und über 200.000 Universitätsstudenten wurden durch öffentlich finanzierte Förderprogramme in die USA oder das Vereinigte Königreich geschickt, um dort ihren Abschluss zu machen. Das durchschnittliche Englisch-Sprachniveau in der Region bleibt jedoch gering.

Die Herausforderungen der Zukunft

In manchen Ländern liegt das Problem anscheinend im ungleichen Zugang zu Englisch-Unterrichtsressourcen. Unseren Daten zufolge liegt das Englisch-Sprachniveau beispielsweise in Dubai viel höher als die Vereinigten Arabischen Emirate insgesamt. Die Bevölkerung Saudi-Arabiens verteilt sich über ein großes und ungleichmäßig entwickeltes Gebiet. Das Niveau des Englischunterrichts in den Schulen variiert stark. Es ist zugegebenermaßen schwierig, qualifizierte Englischlehrer in allen Schulen unterzubringen, vor allem, wenn die Anzahl der englischsprachigen Erwachsenen zu niedrig ist, aber andere große Länder wie China haben sich diesem Problem gestellt. Viele Privatschulen und Universitäten im Nahen Osten ziehen es vor, Lehrer aus dem Ausland einzustellen, aber es wäre eine nachhaltigere Lösung, ausreichend englischsprachige Lehrer im eigenen Land auszubilden.

In anderen Ländern wurde das Bildungssystem durch die Ankunft vieler Flüchtlinge belastet, wodurch Ressourcen in die Grundversorgung umgeleitet werden mussten. Mehr als eine Million Afghanen leben im Iran, und mehr als zwei Millionen Palästinenser und eine Million Syrer leben in Jordanien, einem Land mit weniger als zehn Millionen Einwohnern.

Fragile Volkswirtschaften, anhaltende Konflikte und zu viel Vertrauen in den öffentlichen Sektor als Arbeitgeber sind die Herausforderungen, vor denen die Länder des Nahen Ostens stehen, wenn sie ihre junge Bevölkerung mit den Fähigkeiten ausstatten möchten, die für den globalen Arbeitsmarkt gebraucht werden. Wenn man dies anpackt, könnte es zu einem Wandel in der Region führen. Eine Verbesserung des schwachen Englisch-Sprachniveaus in der Region ist für diesen Übergang unverzichtbar. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Übergang angesichts regionaler Spannungen und der Veränderungen auf dem weltweiten Energiemarkt reibungslos funktionieren kann.

Unterschied nach Geschlecht (%)

Generationsunterschied

  • Durchschnitt

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