Wer Sprachen spricht, dem gehört die Welt. Sprachaufenthalte speziell für über 50-Jährige locken nun auch Reifere in die Ferne. Drei Erfahrungsberichte.
Text: Dinah Leuenberger
01-07-2025
Wer Sprachen spricht, dem gehört die Welt. Sprachaufenthalte speziell für über 50-Jährige locken nun auch Reifere in die Ferne. Drei Erfahrungsberichte.
Text: Dinah Leuenberger
01-07-2025
Das erste Mal länger von zu Hause weg. Vier, fünf Stunden täglich in die Schule, um eine Sprache zu lernen. Aber vor allem: viel Freizeit, viel Freiheit und neue Freunde. So in etwa sieht das Szenario für Sprach-aufenthalte aus. Das wird von vielen Jugend-lichen seit Langem gelebt. Was aber, wenn man seine Sprachkenntnisse auch in reiferen Jahren noch aufbessern will und eine Sprachreise plant, um möglichst schnell grosse Fortschritte zu erzielen, und weniger, um möglichst viele Freiheiten zu genies-sen? Schliesslich werden Fremdsprachen immer wichtiger, im Beruf genauso wie auf privaten Reisen.
Lange war es nicht einfach, als ältere Person einen Sprachaufenthalt zu buchen. Die Schulen richteten ihre Angebote vor allem auf Jüngere aus. Oder die Gastfamilien setz-ten eine Altersobergrenze. Das ändert sich gerade: Die meisten Sprachschulen bieten spezifische Programme für Personen
über 50 an. Grundsätzlich ist auch von die-ser Klientel eine Altersdurchmischung er-wünscht – und sie findet statt, wie die folgen-den Beispiele zeigen. Aber es gibt eben-
falls Klassen oder einzelne Stunden, in denen keine Jungen dabei sind und die das Lern-tempo und die Inhalte dem Alter anpassen. Ein Augenschein von Sprachreisenden Ü50.
Seraina Stecher (54)
Lehrerin, Klosters GR
«Ich wollte als Volunteer an einer Primar-schule in Südafrika arbeiten, um einen neuen Blick auf das Unterrichten zu ge-winnen. Deshalb habe ich davor einen drei-wöchigen Sprachaufenthalt in Kapstadt ge-macht. Ich konnte bereits gut Englisch lesen und schreiben, hatte aber Hemmungen beim Sprechen. Der Sprachaufenthalt hat sehr geholfen, diese abzubauen. Die Klas-senzusammensetzung änderte sich jede Woche, da die Students unterschiedlich lange an der Schule waren. Obwohl die meis-ten meine Kinder hätten sein können, hat-ten wir ein sehr gutes Verhältnis. Wir spra-chen nur Englisch miteinander, es hatte fast keine anderen Schüler aus dem deutsch-sprachigen Raum. Ich wohnte in einer Airbnb-Unterkunft und hatte ein sehr gutes Verhältnis mit dem Vermieter. Ich habe mich viel mit ihm ausgetauscht und am Wo-chenende auch mit ihm und seiner Freundin Dinge unternommen – wir waren an einer Lesung, im Park und auf einer Weinfarm.
Wir haben heute noch Kontakt. Ich emp-fehle allen, die die Möglichkeit haben, eine solche Reise – man erweitert seinen Hori-zont enorm. Besonders wenn man allein reist, denn so lernt man definitiv mehr und knüpft schneller Kontakte.»
Stefano Potenza (52)
Senior Business Analyst, Hausen AG
Wo waren Sie im Sprachaufenthalt?
In Cambridge, England. Ich wollte nicht an die Küste, weil dort vorwiegend jüngere Studenten sind; Cambridge hat darum gut gepasst.
Wieso haben Sie eine Sprachschule besucht?
Ich wollte das schon als Jugendlicher machen. Dann kamen aber Familie und Kinder dazwischen. Als ich den Job wechselte, habe ich eine Pause eingelegt und diese genutzt, um endlich mein Englisch zu verbessern.
Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?
Ja, absolut. Vor der Reise war ich Anfänger, jetzt habe ich ein fortgeschrittenes mittleres Niveau (B2). Die acht Wochen Intensivkurs mit vier bis sechs Lektionen am Tag haben sich ausgezahlt.
Wer waren Ihre Klassenkameraden? Ich war der einzige Schweizer. Es gab eine gute Mischung aus Europäern und Asiaten. Auch das Alter war sehr durchmischt, von 16 bis 60. In einzelnen Stunden gab es ein Programm für alle über 45. Mich hat es überrascht, wie gut wir es als Klasse hatten und wie gut es funktioniert hat, trotz der grossen Durchmischung.
Wie haben Sie gewohnt?
In einer Gastfamilie, die Eltern waren gleich alt wie ich. Das war wirklich super, weil
ich jeden Abend mit ihnen gegessen habe, sie mich auch mitnahmen zu ihren Freunden oder mit mir am Wochenende Ausflüge unternommen haben. Ich habe dadurch sehr viel Englisch gesprochen.
Würden Sie es noch mal machen? Sofort. Ich habe meine Frau schon vor-gewarnt. Sie und meine Kinder haben mich in Cambridge besucht, ich denke, wir würden es bei einem nächsten Aufenthalt auch wieder so machen.
Viktor Dittli (65)
pensioniert, Zug
«Schon mit 21 habe ich meinen ersten Sprachaufenthalt gemacht, ging für vier Wo-chen nach Florenz. Damals lernte ich wahn-sinnig viel in sehr kurzer Zeit. Ich fragte mich mit gut 50, ob das wohl auch in diesem Alter noch so schnell gehen würde. Englisch wurde immer wichtiger, ich sprach es aber nicht besonders gut. Also buchte ich vier Wochen London und war begeistert. Auch in höherem Alter lernte ich viel, weil ich in die Kultur, den Ort eintauchen konnte.
Inzwischen war ich auch noch in Salerno und New York, immer in Intensivkursen mit kleinen Klassen, und spreche recht gut Itali-enisch und Englisch. Teilweise gab es zudem ein Spezialprogramm für Ü50. In Salerno zum Beispiel einen Ausflug nach Neapel.
Bei der Ortswahl war es mir wichtig, dass man auch neben dem Schulunterricht etwas unternehmen kann. Als Gestaltungslehrer, mittlerweile pensioniert, interessiere
ich mich sehr für Kunst und Kultur – in vier Wochen New York habe ich 17 Museen besucht. Mit der Erfahrung, die ich gesam-melt habe, werde ich das nächste Mal wohl eher in einer Mietwohnung wohnen; die Gastfamilien waren für mich keine optimale Lösung. Aber ich werde wieder einen Auf-enthalt machen; der nächste geht nach Frankreich. Mein Französisch sollte mal wieder aufgebessert werden. Ein Sprachauf-enthalt braucht etwas Mut, weil man allein in ein Abenteuer startet, aber es ist eine super Art, seine Pension zu bereichern.»
Den richtigen Ort finden
1. Das Ziel
Worum soll es gehen beim Sprachaufenthalt: Intensiv-Business-Englisch oder Spanisch für die Ferien? Solls eher an einen kleineren, beschaulichen Ort gehen oder in eine Kulturmetropole?
Diese Infos grenzen die Suche schnell ein.
2. Das Budget
Grossstädte sind meist teurer als ländlichere Gebiete; in der Hochsaison (Schulferien) sind auch Sprachaufenthalte teurer als in der Nebensaison.
3. Die Beratung Sprachschulen wie EF
(efswiss.ch) oder Boa Lingua (boalingua.ch) bieten on-line viele Informationen für eine erste grobe Ortswahl.
Danach empfiehlt sich ein Be-ratungsgespräch mit dem Kursanbieter.